Vom schönen Heidelberg …

Bei meiner Recherche für einen Aufsatz stieß ich auf ein Gedicht von Martin Opitz, das mich so unvermittelt an mein geliebtes Heidelberg erinnerte.

Ich wünsche dir, Leser, viel Freude beim Lesen und Genießen!

Vom Wolfsbrunnen bey Heidelberg

Oh edele Fonteyn mit Ruh und Lust umgeben,
Mit Bergen hier und dar, als einer Burg, umringt,
Printz aller schönen Quell, auß welchem Wasser dringt
Anmütiger dann Milch, und köstlicher dann Reben,
Da unsers Landes Kron und Haupt mit seinem Leben,
Der werden Nymf, offt selbst die Zeit in frewd zubringt,
Da ihr manch Vögelein zu ehren lieblich singt,
Da nur ergetzlichkeit und keusche Wollust schweben,
Vergeblich bistu nicht in diesem grünen Thal,
Von Klippen und Gebirg beschlossen uberall,
Die künstliche Natur hat darumb dich umbfangen
Mit Felsen und Gebüsch, auff daß man wissen soll
Daß alle Fröligkeitsey Müh und arbeit voll,
Und daß auch nichts so schön, es sey schwer zu erlangen.

Der erste Ausflug seit dem „Lockdown“

Nach nunmehr 6 Wochen, die ich bereits in Schleswig-Holstein wohne, der erste Ausflug!

Der Umzug während der Corona-Krise sorgte für ordentlich Beschäftigung, sodass uns nicht langweilig wurde. Vermutlich hätten wir so oder so auch in den ersten 2 oder 3 Wochen keine großen Ausflüge unternommen, sondern die Wochenenden zum Ausspannen zuhause genutzt. Wobei wir den ein oder andere Restaurantbesuch doch gerne unternommen hätten.

Nachdem die Corona-Beschränkungen etwas gelockert wurden und die Infektionszahlen sich ihm Rahmen hielten, nutzten wir das herrliche Wetter am Wochenende für einen Ausflug ins Alte Land. Vorbildlich wie wir sind, natürlich mit Masken im Gepäck. Es wurde ein ausgedehnter Spaziergang am Elb-Deich entlang der malerischen Apfelbaum-Felder mit einer Fisch-Semmel auf die Hand.

An sich klingt es nicht atemberaubend. Aber nach fast 8 Wochen Lockdown – wenn ich mich nicht verrechnet habe – kam es uns wie die größte Freiheit vor. Endlich wieder etwas anderes sehen als den Wald vor unserer Haustür und den immer gleichen Supermarkt.

Einziger Wermutstropfen: Mein Heuschnupfen hat erbarmungslos zugeschlagen. Ich lag nach diesem Halbtagesausflug schon um 20 Uhr im Bett – vollkommen erschöpft von dem langen Spaziergang, der Sonne, den Pollen und der doch recht langen Autofahrt, aber auch vollkommen glücklich.

Heimatbesuch?

Ende Mai steht eine Hochzeit für mich an – als Trauzeugin. In Bayern. Im berüchtigten Bayern, von dem man die verrücktesten Corona-Ausgangsbeschränkungs-Geschichten hört. „Nein, auf einer Parkbank ein Buch zu lesen, ist nicht erlaubt!“ „Wie sie wollen Ihre Reifen in der Waschanlage waschen, um sie danach sorgsam einzulagern?! Das bedeutet ein Bußgeld wegen einer unnötigen Fahrt.“ „Also spazieren darf ich nur um meinen Häuserblock. Klar, wär’s auf nem Spazierweg in der Natur schöner, aber was willst du machen…“

Ich selbst war seit Weihnachten nicht mehr in meiner Heimat, ich weiß auch grad nicht wirklich, was da geht … Aber ich hoffe, dass die Polizisten doch entspannter sind, als man das so hört und ließt. Denn als Trauzeugin sollte ich bei der Hochzeit schon anwesend sein und die bayerische Grenze passieren dürfen.

Geplant war eigentlich auch, dass mein Partner mich in meine Heimat begleitet. Wir buchten extra noch Zugtickets im April, da unsere im Januar gebuchten Flüge anuliert wurden. Da sind wir ja verrückter Weise davon ausgegangen, dass man im Mai wieder als freier, unbescholtener Bürger im Bundesstaat von A nach B darf.

Mein Vater versicherte uns, dass das kein Problem sei und wir – brav wie wir sind – mit den Masken im Zug schon „einreisen“ dürfen. Mal schauen, was da noch raus kommt. So richtig freut sich mein Liebster auch nicht auf den Aufenthalt. Hat er sich doch auf die bayerische Kultur und Landschaft gefreut, die wir ja wohl kaum in der Corna-Zeit genießen können …

Wer hätte das gedacht, … ich koche gern

Einen Monat sind wir nun zusammen in unserer neuen Wohnung – während der berüchtigten Corona-Krise. Es kam zwar durchaus mal zu größeren und kleineren Reibereien, aber wer hat das zur Zeit nicht mit seinen Mitbewohnern, der Familie, dem Partner.

Großes Konfliktpotential barg für uns das Thema Kochen. Ich hatte regelrecht Angst davor. Für mich selbst kochte ich NIE. Natürlich war ich wie jeder andere interessiert an Koch-Tipps, schaute mir Rezepte- oder Meal-Prep-Videos auf YouTube an. Aber wirklich in der Küche stand ich nur, um mir das einfachste vom einfachen zu machen. Schnell und wenig Aufwand war mein Motto. Daher gab’s für mich in meinem „Single-Haushalt“ nur Spiegeleier, Rührei, Rahmspinat, Brokkoli, … und jede Menge Müsli.

Nicht, dass ich nicht gerne essen würde. Ich war fast jeden Tag einmal auswärts essen – am häufigsten in der Mensa, aber gerne auch mal mit Freunden in Cafés, Restaurants und Bistros. Da genehmigte ich mir dann die Köstlichkeiten, für die ich daheim einfach zu faul zum kochen war. Gerade das ich dabei dann noch Gesellschaft von meinen Lieben hatte, machte aus der Notwenigkeit „Essen“ erst „Genuss“.

Aus dieser – zugegeben recht eingefahrenen – Routine wurde ich durch den Umzug herausgerissen: Zwei Personen, verdammt zu durchgehendem Home-Office und geschlossene Kantinen. Da bleibt nur jeden Tag zu Mittag zu kochen. Und da meine bessere Hälfte tatsächlich ein gutes Argument hat, nicht zu kochen (Telefonkonferenzen, etc.), musste ich ran an den Herd. Wie gesagt, ich war anfangs nicht begeistert von meiner neuen Bestimmung. Gerade weil mein Freund sonst die Angewohnheit hat, ungefragt jeden bei allem über sein „Verbesserungspotenzial“ aufzuklären.

Doch zu unser beider Überraschung klappte es wirklich super. Jeden Tag gab es was Leckeres von mir zum Mittag und wir saßen gut gelaunt zusammen in unserer kleinen „Mittagspause“ zuhause. Und am Wochenende sorgt er für unser leibliches Wohl mit sehr aufwendigen Gerichten ( – er ist der eigentliche Koch in dieser Beziehung).

Dass es aber tatsächlich so unproblematisch zwischen uns lief, waren einige Grundregel nötig:

  1. Der, der kocht, entscheidet, was es gibt.
  2. Der andere kritisiert nicht und nervt nicht in der Küche, sondern fragt nur, ob er helfen kann.
  3. Der andere macht danach die Küche sauber.
  4. Beim Essen den Koch für das leckere Gericht danken und es zusammen genießen.

Fazit ist, ich koche unter diesen Bedingungen wirklich unglaublich gerne und probiere sehr viel aus. Hätte ich mir wirklich nie gedacht und auch mein Freund ist total überrascht, wie gerne ich den Kochlöffel schwinge. Dazu hab ich nicht nur Spaß, sondern das Ergebnis schmeckt sogar echt gut. Für ihn ist es wiederum weniger ein Problem, einfach mal zu genießen, ohne zu überlegen und zu eruieren, was den Auflauf noch saftiger, den Kohl noch schmackhafter oder den Fisch noch zarter macht. Er genießt einfach und ist glücklich.

Kurioses aus der Heimat

Nun lebe ich am nördlichen Ende Deutschlands und komme aus den bayerischen Landen. Da bin ich selbst wohl schon eine Kuriosität in diesem kleinen Städtchen, in dem ich jetzt lebe.

Und scheinbar finden die guten Reinbeker tatsächlich das eine oder andere an den Bayern kurios. Wobei ich auch zugeben muss – bisweilen sind wir Bayern wirklich ein seltsames Volk.

So fand auch ein genialer und doch ungewöhlicher Einfall eines Freisinger Pfarrers seinen Weg in die hiesige Zeitung vom 22. April:

Ich kann natürlich nur mutmaßen, was der Autor so kurios daran fand. Wenn ich ein gläubiger, bayerischer Kirchengänger wäre (was vor ein paar Jahren auch noch der Fall war) – ich wäre mit in der Schlange gestanden!

Spaß beiseite – ich versteh schon, das gerade solche Anekdoten aus meiner Heimat hier wirklich seltsam-witzig wirken. Hier die Auflösung für jeden Nicht-Bayern:

Ja, genau das passiert in Bayern, wenn die Bayern durch Corona an ihren althergebrachten Traditionen gehindert werden. Sie weichen von ihren guten alten Gewohnheiten ab, werden erfinderisch und wagen sogar neue Dinge. Aber, man geht den neuen, innovativen Weg natürlich nur dem Erhalt der Tradition zu liebe. Schließlich gilt nach wie vor: „Des ham ma scho imma a so g’macht.“ Und mit der Einstellung lässt sich kein Bayer an gesegneten Ostern hindern – auch nicht, wenn man dafür die Heilige Messe gegen einen Drive-Through-Schalter austauschen muss!

Ein Tylko-Sideboard zieht ein

Wir suchten lange nach einem Regalsystem, das zu unserer künftigen Wohnungseinrichtung passen sollte. Für uns ergaben sich folgende Kriterien:

Schickes und zeitloses Design, aber nicht zu klassisch, sondern modern.

Sehr funktional.

Langlebig, stabil und hochwertig.

Online auf die Masse unserer Wohnung und unserer Bedürfnisse konfigurierbar.

Damit schieden die üblichen Verdächtigen wie Ikea & Co. raus. Dafür schlug mein Liebster recht früh Tylko vor, die dann von uns auch den Zuschlag bekamen. Kein günstiger Wahl, das muss man zugeben. Aber das massive Möbelstück, das jetzt unser Wohnzimmer schmückt, ist den Preis auch wirklich wert.

Wir spielten ein, zwei Wochen mit dem Online-Konfigurator bis wir uns auf ein Sideboard mit 3 Regalreihen und 5 Regalspalten mit 2 Türen entschieden. Leider hat der Konfigurator nur einen Haken: Man kann nicht selbst entscheiden, wo die Türen letztlich hinkommen sollen. Wählt man nur eine handvoll Türen oder Schubladen aus, statt eine ganze Reihe damit auszustatten, werden die vom Konfigurator NICHT symmetrisch, sondern kreuz und quer verteilt. Vergleicht man das mit den Werbefotos von Tylko, passt diese absichtlich unsymetrische Anordnung zum Tylko-Look. Unseres war es aber nicht.

Aber da man das ganze ja recht simpel zusammenbauen kann (nach eigenen Angaben der Firma) dachten wir, „Da tauschen wir einfach beim Zusammenstecken die Teile so aus, dass die Türen jeweils außen sitzen. Easy.“

Tja, an sich war es easy. Wir mussten etwas umdenken beim Zusammenstecken der Komponenten, aber prinzipiell klappte es. Weicht man aber vom Design, das der Konfigurator vorgibt, ab, muss man auch etwas improvisieren. So fehlen dann die Türstopper in dem Fach, das man als Tylko-System-Rebell unvorhergesehen zum Türfach auserkoren hat. Aber ein paar dicke Filzgleiter haben da Abhilfe geschaffen. Und die Löcher für die Rückwände der Türfächer müssen wir noch verdecken. Beides nicht dramatisch.

Der Aufbau war an sich auch – wie versprochen – wirklich einfach. Dank Richtungs-Aufkleber und farbiger Schrauben, die man am aufgebauten Möbel nicht mehr sehen kann, wird man bequem durch den Zusammenbau geleitet. Das ganze war noch simpler als eine heutige Ikea-Anleitung. So begannen wir am Abend der Lieferung,…

… mussten dann aber unterbrechen. Das Festhämmern der Komponenten war lauter als gedacht. Und ab 20:30 Uhr wollten wir den Nachbarn nicht mehr auf die Nerven gehen mit dem ständigen Gehämmer. Denn gerade das gleichmäßige Ausrichten der einzelnen Holzplatten entwickelte sich für uns zu einer Sisyphusarbeit. Hämmerte man die eine Trennwand ordentlich an, musste man alle anderen Trennwände, die Regalböden – überhaupt alles – wieder durch weiteres Hämmern nachjustieren …

Am folgenden Nachmittag konnten wir unser Werk dann vollenden. Und auch wenn wir uns mehr beim Aufbau geärgert haben, als gedacht – das Ergebnis war es wirklich wert!

Das Leben mit einem Coffee-Nerd

Jetzt, da ich wieder nach einer zeitweiligen Fernbeziehung mit meinem Freund zusammen wohne, komme ich auch in den Genuss seiner Hobbys. Welche Frau mit männlichem Partner kennt das nicht? Oder ist das nur ein Klischee, dass jeder Mann eine Leidenschaft auf einem Gebiet hat, über das er seiner Liebsten stundenlange Vorlesungen halten kann? Mein Mann wartet jedenfalls mit folgenden Hobbys auf: Hi-Fi, Gärtnern und Kaffee.

Vor ihm habe ich nur mal eben den Kaffee vom Bäcker in einer Vorlesung runtergekippt. Nun genehmige ich mir aber sogar das ein oder andere Käffchen in meiner Freizeit, lege geradezu Wert auf den angemessenen Genuss und lasse Schlecht-Gebrühtes kurzerhand zurückgehen.

Bereits während unserer Fernbeziehung wurde ich an unseren gemeinsamen Wochenenden von ihm aromatisch verwöhnt, was mit jedem Kauf neuen Kaffee-Equipments professioneller wurde. Selbst in die Ferienwohnung kam die Hand-Kaffeemühle mit.

Und was gibt es nicht für Kaffee-Variationen: Filterkaffee, Cold Brew, Espresso, French Press, Aeropress, Chemex… Bei uns im Haus gibt es davon vor allem guten, alten Filterkaffee, hin und wieder ein Espresso und im Sommer erfrischender Cold Brew. Zu der Tasse Kaffee – in welcher Form auch immer – braucht ein Kaffee-Gläubiger aber mehr als nur heißes Wasser und ein paar Löffel Kaffeepulver aus dem Supermarkt nebenan. Nein, nein! Kaffee ist eine Kunst. Davon zeugen Milliarden Social-Media-Accounts, die sich diesem Thema widmen.

Wir sind auch schon recht gut ausgestattet – dank meines Coffee-Nerds. Regelmäßig trudeln neue, interessante und ungewöhnliche Röstungen ins Haus, die mein Liebster von deutschen Röstereien bestellt. Zu Anfangs war ich überrascht, welchen Geschmacksreichtum Kaffee haben kann: Von würzigem Zimt über fruchtige Beeren bis hin zu blumigen Rosen. Man kann das tatsächlich rausschmecken! Aber man muss auch zugeben, dass das kein günstiger Spaß ist. Wenn man die High-Class-Kaffeepulver im Supermarkt teuer findet, wird man einen Herzinfarkt bei den Bohnen vom lokalen Röster bekommen. Dafür schmeckt der Kaffee aber auch erheblich besser und interessanter! Außerdem bekommt man von den frischen Filterkaffee-Bohnen keinen unangenehmen „Brand“ im Hals wie vom Café Crema aus dem Vollautomaten.

Was gehöht denn nun zu unsrer Kaffee-Austattung? Ich würde sagen, nicht zu viel und nicht zu wenig. … Auf jeden Fall nicht zu wenig.

Ein Moccamaster Select in mattschwarz: Eine pure Schönheit und noch dazu praktisch für die Momente, wenn man schnell mal mehrer Tassen leckeren Kaffee zubereiten will.

Ein vollständiges Equipment für den Hand aufgebrühten Filter-Kaffee: Zugehören die Hand-Kaffeemühle von Comandante, ein Hario-Kännchen, ein Porzellan-Filter, eine Waage und ein Heißwasser-Kännchen. Ja, das ganze dauert deutlich länger. Aber man sollte das mal ausprobieren, wenn sich einem die Gelegenheit bietet: So aufwendig „handgebrüht“ auch ist, so meditativ kann dieser Prozess auch sein.

Zuletzt ein Mokkakocher vom Auslandssemester in Mailand: Wir beide haben von unseren früheren Aufenthalten in Italien jeweils einen Mokkakocher mitgebracht. Mit einem Espresso aus unserem kleinen italienischen Freund kann man so wundervoll in alten, mediterranen Erinnerungen schwelgen.

In der Vergangenheit hatten wir auch eine Rancilio Silvia, die jetzt aber ein neues Zuhause hat. Eine Siebträgermaschine ist ein richtiger Spaß, aber sie hat zu unseren Bedürfnissen doch nicht ganz gepasst.

Mal sehen was über die Jahre noch an Handwerkszeug für den Kaffeegenuss in unsere Küche einziehen wird. Mein Freund wird die Kaffee-Trends sicherlich im Auge behalten und ich werde weiter dieses delikate Hobby von ihm genießen.

Das Ikea-Erlebnis – Corona-Edition

Was gehört zu jedem Umzug? Richtig, der obligatorische Ikea-Einkauf. Auch wenn wir bei vielen Möbeln und kleineren Einrichtungsgegenständen versucht haben, eine möglichst nachhaltige und langlebige Variante zu finden, kommt man um das schwedische Kult-Möbelhaus nicht herum.

Bis zu diesem Wochenende hatte wir von Ikea nur einen Kleiderschrank. Den bestellten wir am Tag unseres Einzuges und er kam auch prompt am nächsten Abend. Ein 1A Lieferservice … zumindest bei den Kleiderschränken.

Beim Aufbau stellten wir fest: Es fehlen noch Griffe, die dazu bestellt werden müssen. Außerdem würden 2 weitere Schubladen im Schrank nicht schaden. Als ich die aber mal eben online bestellen wollte, das: Die Lieferung von dieser vergleichsweise kleinen Bestellung dauert 5 Wochen …

Nun gut, wir haben diese kleine Bestellung trotzdem aufgegeben. Zu dem Zeitpunkt hatte sich noch gar keine geplanten Erleichterungen der Corona-Beschränkungen abgezeichnet.

Diese Woche stellten wir dann fest, dass wir noch eine Kommode brauchen. Wie sollten wir sonst Herr werden über die massiven Klamotten-Berge?! So bestellten wir wieder online bei Ikea. Dieses Mal aber mit der Option Click&Collect.

Bereits am nächsten Tag in einem uns vorgegebenen Zeitfenster konnten wir bei Ikea vorfahren und erlebten einen etwas anderen, aber cleveren Ikea-Einkauf – gewissermaßen die Corona-Edition.

Alles spielte sich auf dem sonnendurchfluteten Parkplatz unserer nächsten Ikea-Filiale ab. An einem ersten „Check-Point“ wurden wir von einem wirklich freundlichen Ikea-Mitarbeiter nach der Bestellnummer gefragt und zu „Bereich B“ weitergeleitet. Dort koordinierte der nächste gute gelaunte Mitarbeiter die Kunden des „B-Bereichs“ und leitete uns anhand unserer Bestellnummer zu „Abholplatz B18“. So standen wir dann neben unserem Auto auf „B18“ und schauten uns um: Überall waren Paletten mit den jeweiligen Abholplatz-Nummern versehen und daneben standen auch auf fast allen Plätzen Autos mit den dazugehörigen Ikea-Kunden. Und alle warteten, aber nicht lange! Im Minutentakt strömten Ikea-Mitarbeiter aus der Filiale mit den Bestellungen und brachten sie an den vorgesehenen Abholplatz. Alle warten einen gehörigen Sicherheitsabstand gemäß den Corona-Verordnungen und alle waren gut drauf – wahrscheinlich auch dank des herrlichen Wetters.

Alles in allem lief das wirklich sehr gut ab. Nach etwa 5 Minuten konnten wir uns mit unserer neuen Kommode wieder auf den Heimweg machen. Eigentlich wollten wir auch noch zum Bauhaus und unseren Balkon ausstatten. Das haben wir dann aber gelassen, als wir die Warteschlange von mindestens 40 Personen VOR dem Baumarkt gesehen haben.

Dieses Ikea-Click&Collect-Erlebnis kostete aber auch 10€ + eigene Anfahrt – recht viel im Vergleich zu den 4€ Versand nach Hause. Aber wenn man zu Corona-Zeiten nicht 5 Wochen auf die Lieferung warten will …

Besonders interessant fand ich dazu die Überlegung meines Freundes: Scheinbar berechne Ikea den Verlust des Unternehmens pro Kunden, der seine gewünschten Produkte nur abholt statt sie persönlich in der Filiale auszusuchen, mit durchschnittlich 10€. Denn die 10€ würden sicher nicht fällig durch den Mitarbeiter, der mal schnell das bestellte Produkt aus dem Lager hole.

Da zeigen alleine die Kosten der Funktion Click&Collect, dass wirklich viele Ikea-Einkäufe mit deutlich mehr enden, als eigentlich auf dem Einkaufszettel stand.

Bürokratie 2.0

Jeder Schritt im Leben eines modernen Deutschen will gut dokumentiert, gesiegelt und beglaubigt werden. Es beginnt schon als kleiner Embryo mit Vorsorgeuntersuchungen, die fein säuberlich im Mutterpass festgehalten werden. Geburtsurkunde, Bewerbungen für KiTa, Kindergarten, Einschulung, jedes Jahr ein neues Zeugnis. Wird man dann erst mal für erwachsen erklärt, nimmt der Papierkram nicht ab – er wird mehr und ab nun ist man auch selbst verantwortlich für jede Korrespondenz mit Arbeitgeber, Bank, jeglicher Art von Behörde, Ärzten, Versicherungen, …

Dazu kommt natürlich noch das Grundlegendste überhaupt: Das eigene Heim. Ob gemietet oder Eigenheim, auch das ist natürlich mit Verträgen und Behördengängen zu zelebrieren. Dazu gehört natürlich auch das Ummelden des Wohnsitzes.

Wir hatten dafür schon in der ersten Aprilwoche versucht, mit dem Bürgerbüro unserer Stadt Kontakt aufzunehmen. Ist natürlich aufgrund der Corona-Lage bis 20. April geschlossen. Der unermüdliche Anrufbeantworter wies uns weiter an die Mail-Adresse des Amtes. Wir schrieben also eine E-Mail samt unserer Unterlagen. Und es vergingen Tage …

Nach einer halben Woche – kurz vor den Osterfeiertagen – ging ich der Sache doch noch mal nach. Schließlich gilt es ja auch den Rundfunkbeitrag zu ändern und da gibt es ja noch diese berüchtigte Frist, in der ein jeder sich umzumelden hat.

So rief ich im Bürgerbüro an und durfte diesmal mit einer sehr freundlichen Frauenstimme telefonieren. Schnell fanden wir für den 20. April einen Termin, an dem ich zum Rathaus kommen kann, um uns beide umzumelden. Wohlgemerkt, zum Rathaus, nicht etwa ins Rathaus.

Um gebührenden Abstand zu gewährleisten, bleibt man als Bürger draußen. Es wird alles über einen provisorisch draußen aufgestellten Tisch vor der Eingangstür mit Klarsichtfolien übergeben, drinnen von den Mitarbeitern der Stadt bearbeitet, wieder über den Tisch vor der Eingangstür gereicht, unterschrieben, wieder in die Klarsichtfolie, erneut über den Tisch rein ins Rathaus, drinnen wieder bearbeitet und ein letztes Mal über den Tisch raus zum Bürger vor dem Rathaus.

Als ich mit der netten Frau vom Bürgerbüro telefonierte musste ich mir diesen Vorgang noch beim Telefonat notieren – da kommen einem die Behördengänge vor Corona-Zeiten ja lächerlich unkompliziert vor. Was würden Asterix und Obelix heute machen, wenn sie an Passierschein A38 kommen wollten?

Mir wurde auch versichert, dass der 20. April noch vollkommen ausreicht, um uns beide umzumelden. Wie das aber mit dem Rundfunkbeitrag läuft, der diesen Monat für meine alte Wohnung in Baden-Württemberg fällig wäre, konnte sie mir nicht sagen. Mal sehen, wie interessant sich dieses Ummelden gestalten wird.

Die erste Woche in Schleswig-Holstein

Tatsächlich lief alles reibungslos bei meinem Umzug quer durch’s Land! In Anbetracht der Lage hätte ich damit nicht gerechnet…

Die ersten Tage waren wir so sehr mit der Wohnung beschäftigt, dass wir die Ausgangsbeschränkungen im Grunde kaum spürten: Putzen, Fegen, Wischen, Möbelaufbau, Verräumen und Aufräumen. Es schien, als würde die Arbeit nie ein Ende nehmen. Doch nach 4 Tagen sahen wir unserer Heim an und sahen, dass es gut war.

Spaß beiseite – nach 4 Tagen hatten wir wirklich schon den Eindruck, ein kleines Heim kreiert zu haben. Natürlich fehlen noch einige Möbel, die aber auch ohne Corona-Krise noch einige Wochen Lieferzeit brauchen. Aber mit dem, was wir momentan bereits haben, können wir diese Zeit sehr gemütlich in unseren Vier-Wänden verbringen.

Schade ist nur, dass wir die Stadt, unsere Nachbarn und die Gemeinde selbst nicht kennen lernen können. Natürlich grüßen die meisten Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer, auch die Nachbarn im Haus. Aber die angespannte Situation erleichtert das Ankommen nicht. Kein Museumsbesuch, kein Stöbern in der Stadtbibliothek, kein Feierabendbier im Restaurant nebenan nach einem anstrengenden Tag mit Pax.

Beschweren will ich mich dennoch nicht. Ich bin nicht alleine, sondern lebe mit einem Lieben zusammen. Der Frühling beginnt und die Spazier- und Laufwege durch das Waldstück nebenan sind wundervoll. Wir sind gesund und haben auch genügend zuhause zu tun, dass uns nicht langweilig werden dürfte.

Wir warten also weiter ab, sind vorsichtig und vernünftig für unsere Mitmenschen und bauen weiter an unserem neuen Nest.

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